Home

Vom Grenzzaun zur Kunstgrenze

Früher und Heute

Am Bodenseeufer, auf dem Gelände „Klein Venedig“, wo vor kurzem noch ein Grenzzaun die beiden Städte Konstanz und Kreuzlingen trennte und die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz markierte, verläuft seit 2007 die erste Kunstgrenze der Welt.

Im Jahr 2004 vereinbarten die Stadtoberhäupter von Kreuzlingen und Konstanz, (mit Zustimmung aus Bern und Berlin) den 1938 errichteten Zaun zu entfernen. Die Zollbehörden stimmten dem Abriss zu unter der Voraussetzung, dass eine andere Markierung den Verlauf der Landesgrenze sichtbar macht: Der Zaun darf fallen, aber die Grenze bleibt. So konnte die außergewöhnliche Idee realisiert werden, den Grenzverlauf zwischen zwei Staaten mit Kunstobjekten zu kennzeichnen. Ein weltweit einmaliges Ereignis.

Das Engagement des Rotary Clubs Kreuzlingen-Konstanz

Seit der Gründung unseres grenzüberschreitenden Rotary Clubs war es ein vordringliches Anliegen, uns gegen alles Trennende zwischen unseren Städten einzusetzen. An erster Stelle stand die Entfernung des hässlichen Grenzzauns.

In einem viel beachteten Podiumsgespräch verglichen wir unsere „Zaun-Grenze“ mit der offenen Grenze im Raum Basel-Lörrach. Es folgten Artikel in mehreren Zeitungen und Aktionen wie „ Bäume statt Zäune“. Als sportlich-ironische Aktion veranstalteten wir ein Federballspiel über den Grenzzaun in „Klein Venedig“ mit Teilnehmern aus beiden Städten.

Durch diese Aktionen entstand eine Sensibilisierung dafür , dass zu einer Grenze nicht zwangsläufig ein Zaun gehören muss, ja dass dieser oftmals trennt, was er nicht trennen soll - vor allem zwischen zwei eng befreundeten Städten wie Kreuzlingen und Konstanz. Damit trugen wir nicht unwesentlich zu der Beseitigung der Grenzzauns und der Entstehung einer Kunstgrenze in „Klein Venedig“ bei.

Das Kunstwerk

Die Skulpturen der Kunstgrenze wurden von dem Konstanzer Künstler Johannes Dörflinger geschaffen. Sie stellen die Trümpfe des Tarot dar, die „Großen Arkana“, und zeigen u.a. Motive wie: Magier, Liebe, Wagen, Glücksrad, Weibliche Kraft und Männliche Kraft, Tod und Wiedergeburt. Die Motive symbolisieren die Bedingungen menschlicher Existenz. Die Skulpturen sind acht Meter hoch, aus rostfreiem Edelstahl gefertigt und oberhalb des hellgrauen Sockels in Kolibri-Rot lackiert. Sie fügen sich harmonisch zwischen vorhandenem Baumbestand ein und werden in der Nacht beleuchtet. Sie wirken leicht und durchlässig und ermöglichen dem Betrachter eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven: Himmelszeichen am See.

Der Künstler

Johannes Dörflinger studierte an der Akademie in Karlsruhe und an der Hochschule der Künste in Berlin. Er lehrte als Dozent für Malerei an der University New York. Es folgten langjährige Aufenthalte in London. Mit dem Tarot setzt sich Dörflinger seit 1970 auseinander und hat seither drei verschiedene vollständige Fassungen geschaffen: „Tarot 1975“ (Granolithographien), „Tarot für Oskar Schlemmer, 1988“ (Handsiebdrucke) und „Tarot - Modelle für große Skulpturen, 2002“.

Die Stiftung

Die in Kreuzlingen ansässige Johannes Dörflinger-Stiftung garantierte die Finanzierung der Skulpturen und schenkte sie den beiden Städten. Die gärtnerische Gestaltung und Pflege der Umgebung werden gemeinschaftlich von den Städten Kreuzlingen und Konstanz getragen.